Mit Sonnenstrom autark und unabhängig sein

Photovoltaikanlagen und Speicher boomen/Förderprogramm Wallbox erneut ausgeschöpft

Innerhalb 20 Jahren hat sich das Hopfendorf Tettenwang zum Solardorf entwickelt: rund 60 Solar-kraftwerke erzeugen sauberen Sonnenstrom - damit sind wir unabhängig

​„Haben Sie auch keine Lust auf einen steigenden Strompreis? Dann sind sie im Kreis von Millionen Bundesbürgern. „Jammern hilft nichts, sondern handeln“, sagen sich Hausbesitzer. Immer mehr versuchen Energie einzusparen und immer mehr produzieren ihren eigenen Strom mit einem Solarkraftwerk auf dem Hausdach selbst. Das Preis-/Leistungsverhältnis für die zukunftsorientierte Installation einer Photovoltaikanlage (PVA) hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert. Und aus Sicht der Geldanlage ist bei den extremen Niedrigzinsen ein Solarkraftwerk allemal ein Gewinn. Stromkostensparen ist die beste Rendite für sein Geld – und leider werden die Strompreise in den nächsten Jahren weiter steigen.

Photovoltaik in Bayern wichtigste regenerative Energiequelle

Mit dem Ende Juli beschlossenen „Europäischen Klimagesetz“ sollen die Klimaschutzbemühungen weiter vorangetrieben werden. Demnach soll der CO2-Ausstoß bis 2030 nun von bisher 40% um 55% reduziert werden. Bis 2050 soll Europa vollkommen klimaneutral sein. Ziel ist es, die EU-Wirtschaft so umzugestalten, dass die Pariser Klimaziele erreicht werden, Europa aber weiterhin ein moderner und attraktiver Industriestandort bleibt. Enttäuschend waren die Beschlüsse des G20-Gipfels am vergangenen Wochenende in Rom, denn die führenden Wirtschaftsmächte konnten sich nicht auf ehrgeizige gemeinsame Klimaziele einigen. Trotzdem setzen immer mehr Bundesbürger ihre „persönliche Energiewende“ in die Tat um und setzen damit ein Zeichen. Seit mehr als zwanzig Jahren beschäftigen sich zahlreiche Männer und Frauen intensiv mit Sonnenenergie. „Am 1.April 2000 wurde das Energieeinspeisegesetz ins Leben gerufen und der Förderung von PV-Anlagen eine Grundlage gegeben“, erzählt PV-Pionier Bernhard Hegenberger aus Tettenwang. Innerhalb von zwei Jahrzehnten wurden mehr als 55 Gigawatt Nennleistung mit rund zwei Millionen Photovoltaikanlagen in Deutschland installiert. Der Löwenanteil von 50 Prozent fällt dabei auf die südlichen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern. Mehr als 600.000 Photovoltaikanlagen in Bayern erzeugen jährlich rund 13 Milliarden Kilowattstunden Sonnenstrom – das ist ein Anteil von 40 Prozent an allen Erneuerbaren Energien aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse. Gut die Hälfte der Sonnenstromanlagen hat eine Größe bis 10 Kilowattpeak (kWp), weitere 40 Prozent liegen zwischen 10 und 100 kWp. Eine typische Anlage von einer installierten Leistung von 10 kWp auf einem Neubau bei optimaler Ausrichtung von 30 Grad Dachneigung, in Südausrichtung ohne Schattenwurf bringt etwa 10.000 Kilowattstunden (kWh) Sonnenstrom auf einer Dachfläche von rund 65 Quadratmetern. Durch die Einführung der bundesweiten Förderung von Batteriespeichern ist die PV-Nachfrage in den letzten Jahren wieder deutlich gestiegen. Mittlerweile mehren sich die politischen Stimmen, eine Solarpflicht für Neubauten einzuführen. „Viele Bürger erwarten von der neuen Bundesregierung, das jüngste Klimaschutz-Urteil des Bundesverfassungsgerichts schnell umzusetzen und Marktbeschränkungen für Solar- und Windenergie zu beseitigen“, so Hegenberger. Nur etwa ein Achtel der Dachflächen von Ein- und Zweifamilienhäusern in Deutschland sind bisher mit PV-Modulen belegt – also die überwiegende Mehrheit von knapp 88 Prozent ist demnach noch frei. Die Politik hat begriffen, dass der Staat Anreize schaffen muss, um die selbst gesteckten Klimaziele bis zu erreichen. 2040 will Bayern klimaneutral sein und das bedeutet, dass der Freistaat ohne fossile Energieträger auskommen will – und dies trotz Abschaltung aller Kernkraft- und Kohlekraftwerke. Das bringt erhebliche Aufgaben mit sich - etwa den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Netze. Die kostenlos zur Verfügung stehende Sonnenenergie kann noch viel mehr genutzt werden. „Jede PVA und jedes Windrad soll dazu beitragen, die Energiewende zu beschleunigen“, so die Verfechter der Erneuerbaren Energie. Die gegenwärtige Energiepreiskrise zeigt, wie dringend notwendig es für Unternehmen und Haushalte ist, in zuverlässigen, kostengünstigen Strom aus erneuerbaren Energien zu investieren. Aktuell liegt der Durchschnittspreis für 1 Kilowattstunde (kWh) Strom liegt bei rund 32 Cent – Tendenz deutlich steigend! Aufgrund der enorm gestiegenen Rohstoffpreise von Erdgas und Kohle reduzieren sich zwar ab 2022 die Kosten für die EEG-Umlage um mehr als 40 Prozent von aktuell 6,5 Cent auf dann 3,7 Cent. Dies weckt die Hoffnung für eine Entlastung der Endverbraucher, doch die Stromerzeugungskosten der konventionellen Kraftwerke treiben die Strompreise nach oben und wirken so preisdämpfend auf die EEG-Umlage. „Der schnelle Umstieg auf erneuerbare Energien wäre tatsächlich sogar die beste Antwort auf die mit den Rohstoffpreisen gestiegen Strompreise“, so der 59jährige. Und bei den niedrigen Kreditzinsen bieten örtliche Kreditinstitute für die Errichtung von PV-Anlagen günstige PV-Kredite.

Reibungslos funktioniert die Installation der PV-Module auf dem Haus- oder Garagendach

Viele bayerische Dörfer autark mit Sonnenstrom

„Wir machen nun unseren Strom selber und das macht uns große Freude“, freut sich die vierköpfige Familie Eberl aus dem Altmannsteiner Ortsteil Tettenwang. Seit kurzem erzeugt ihr Solarkraftwerk mit 10 kWp auf dem Hausdach „Am Steinbuckel“ Sonnenstrom. „Der steigende Verbrauch und damit höheren Energiekosten haben uns veranlasst, künftig selbst unseren Strom zu erzeugen und im Haushalt, in der Werkstatt, für unsere E-Bikes und im Sommer für unseren Pool zu verbrauchen“, erzählt der 45jährige Familienvater Reinhard. Durch das jeweils auf die Familiengröße ausgerichtete Solarkraftwerk kann sich der Haushalt während des Tages mit Eigenverbrauch komplett versorgen. Mithilfe eines modernen Batteriespeichers kann der Eigenverbrauch deutlich erhöht werden. „In der Regel reicht der gespeicherte Strom, um über die Nacht zu kommen, bis die Sonne wieder scheint. Und bei sonnenlosen Zeiten – wie etwa im Winter – versorgen wir uns mit Strom aus einer Cloud, in der wir im Sommer unseren Sonnenstrom eingespeist haben“, so die Eberls.

Das Herzstück der PVA: Wechselrichter mit Lithium-Batteriespeicher

Große Nachfrage bringt längere Lieferzeiten

Erneuerbare Energien sind seit Jahren weltweit auf dem Vormarsch. Entsprechend stark ist die Zahl der Beschäftigten in diesem Sektor gestiegen - mittlerweile weltweit auf 12 Millionen. Neben der Windenergie verzeichnet die PV mit vier Millionen Arbeitskräfte stetige Zuwächse, damit ist die Solarbranche global der größte Arbeitsplatzbeschaffer, gefolgt von der Bioenergie. Global verbucht China mit einem Anteil von 40 Prozent die meisten Arbeitsplätze, dahinter folgen Brasilien, Indien, die USA und die Europäische Union. Während Deutschland die stärktes Bauphase in den Jahren 2004 bis 2008 mit jährlich rund sechs Gigawatt Nennleistung hatte, streben seit einigen Jahren asiatische und amerikanische Staaten steil nach oben. „Wie auf vielen Sektoren verlängern sich auch bei PV durch die starke Nachfrage die Lieferzeiten stetig“, so Anton Dillinger vom Solarverbund Bayern GmbH. Die höchsten Zuwächse bei der Solarstromerzeugung verzeichnete 2020 der Eigenheimsektor bei der Photovoltaik, Solarheizungen und Batteriespeichern. „Gut ein Viertel mehr PVA als im Vorjahr wurden 2020 in Deutschland installiert“, das geht aus der Jahresbilanz des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) hervor. „Die Nachfrage hat stark angezogen und damit auch die Preise und Lieferzeiten“, beschreibt der Kelheimer Solarteur die gegenwärtige Situation. Keine andere Energieform legt bei der Stromerzeugung stärker zu als die PV. Nahezu jede zehnte verbrauchte Kilowattstunde stammt inzwischen in Deutschland aus Sonnenenergie. Bis zum Ende des Jahrzehnts will die Bundesregierung die solare Kraftwerksleistung verdoppeln. Energie- und Klimawissenschaftler halten sogar eine Verdreifachung für erforderlich. In den ersten neun Monaten 2021 wurden bei der Bundesnetzagentur eine installierte PV-Leistung von vier Gigawatt gemeldet – das sind 30 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Der Energiewende ein Stück näher in der Großgemeinde

PVA gelten inzwischen allenthalben als generationsübergreifend sinnvolle und enkelfähige Anschaffung. Dass sie in der unmittelbaren Nachbarschaft auch ansteckend sein können, kann der Tettenwanger Pressewart auf vielerlei Sicht bestätigen. „Als das EEG 2000 ins Leben gerufen wurden, haben ich mit einem Freund in unserem Ort die ersten Solarstromkraftwerke gebaut – heute sind es mehr als 60 PV-Anlagen auf den Haus- und Hallendächern, die sauberen Strom erzeugen“, so der 59jährige. In Spitzensonnenzeiten produzieren die rund 1300 kWp mehr als das Dreifache, welches die 130 Haushalte benötigen. Und es ist noch viel Platz auf den Dächern im Hopfen- und Solardorf Tettenwang. Regelmäßig steht im Altmannsteiner Marktgemeinderat das aktuelle Thema „Klimaschutz“ auf der Tagesordnung. In allen 17 Ortsteilen speisen mittlerweile Hunderte PVA Sonnenstrom ins öffentliche Netz ein. Selbst Freiflächen-PV erfahren in der Marktgemeinde Aufwind. „Bisher sind 26 Anträge bei der Marktverwaltung eingegangen“, verkündete Bürgermeister Norbert Hummel zu Jahresbeginn. Maximal 110 Hektar sollen für Freiflächen-PV-Anlagen an sechs Standorte zur Verfügung stehen. Möglich wären Freiflächenanlagen in Steinsdorf, Breitenhill, Winden, Pondorf und Laimerstadt (wir berichteten). Die Mehrheit der Markträte erteilte zu Jahresbeginn den Standorten ihr Einvernehmen. Die Freiflächenanlage am Wasserturm in Altmannstein speist bereits Sonnenstrom ins öffentliche Netz ein.

Keine Steuererklärung für PV-Anlagen bis 10 kW

Während vielfach neue Regeln Erschwernisse mit sich bringen, hat kürzlich das Bundesfinanzministerium mitgeteilt, dass für einen Betrieb von kleineren PVA keine generelle Gewinnerzielungsabsicht nachweisbar ist. Die Solarstromerzeugung kann demnach als steuerlich unbeachtliche Liebhaberei deklariert und Einnahmen nicht mehr zwingend in der Einkommenssteuererklärung angegeben werden. „Diese Entscheidungen begrüßen wir sehr, denn dadurch werden wieder unnötige Hürden für das Betreiben einer PVA abgebaut“, freut sich Bernhard Hegenberger. Er schätzt, dass die Zahl der Hausbesitzer weiter zunimmt, die ihren Strom selbst erzeugen und verbrauchen: Schlüsselwort ist hier der „Eigenverbrauch“. Die erste Frage von PV-Interessierten lautet: „Wie groß sollte meine PVA sein und mit welchen Kosten habe ich zu rechnen? erzählt Anton Dillinger. Im Vordergrund stehen in erster Linie der Stromverbrauch des Haushalts – und dann natürlich die zur Verfügung stehende Dachfläche. Für eine 10 kWp PVA werden etwa 60 Quadratmeter Fläche benötigt. „Diese Einheit ist meist die wirtschaftlich sinnvollste Lösung, den Strom vom eigenen Dach kostet etwa 12 Cent pro kWh. Für Strom aus dem öffentlichen Netz müssen derzeit rund 32 Cent bezahlt werden – Tendenz steigend“, erklärt der Solarteur. Immer häufiger werden mit dem eigenerzeugten Solarstrom Brauchwasser, die Wärmepumpe, eine Klimaanalage bis hin zu allen Haushalts- und Gartengeräten bis hin zum E-Auto genutzt. „Wer seinen ökologischen Fußabdruck deutlich reduzieren will, kommt an der Sonnenenergie nicht vorbei“, betont der Tettenwanger, denn die Sonnenenergie ist unerschöpflich und im Grunde kostenlos! „Ich habe in den letzten 21 Jahren noch keine Rechnung von der Sonne bekommen“. Wie bei allen Investitionen sollte sich auch ein PV-Interessent fachlich beraten und ein Angebot erstellen lassen. „Fragen Sie im Bekanntenkreis nach und sehen sie sich einige Referenzanlagen vor Ort an“, empfiehlt Hegenberger. Bitte nicht nur auf den Preis achten: Viel wichtiger sind die Leistungen und Qualitätsmerkmale des Anbieters. Dank technologischer Weiterentwicklungen und immer größeren Produktionskapazitäten sind die Herstellungskosten deutlich gesunken – im Schnitt pro Jahr um zehn Prozent. Die gegenwärtige Einspeisevergütung beläuft sich auf rund sieben Cent je gelieferter kWh. Wichtig ist ein verschattungsfreies Dach, egal ob Sattel- oder Pultdach. „Als Richtgröße für eine 10-kWp-Anlage mit Batteriespeicher kann man im Schnitt von 20.000 Euro rechnen“, so Anton Dillinger. Dabei rechnet sich die Investition umso schneller, je mehr Solarstrom direkt selbst verbraucht wird.

Der Anschluss einer Wallbox wird von einem Fachbetrieb vorgenommen

Fördertopf für private Wallboxen ausgeschöpft

Einen enormen Schub verzeichnete in den letzten zwei Jahren Elektroautos auf deutschen Straßen. Die zugelassenen E-Autos betrug am Juli 2021 rund 440.000 vollelektrische oder auch Plug-In-Hybrid-PKW. Immer mehr wollen ihr E-Auto mit eigenem Solarstrom zuhause laden. Kein Wunder deshalb, dass das von der Bundesregierung aufgelegte KfW-Programm „Ladestationen für Elektroautos“ sagenhaft schnell ausgeschöpft war. Erst Ende Juli hatte das Bundesverkehrs-ministerium die Fördermittel um 300 Mio. Euro  auf 800 Mio. Euro aufgestockt. Gut 900.000 Wallboxen konnten dadurch gefördert werden. Mehr als 175.000 sind bereits in Betrieb! Ob das Förderprogramm, bei dem 900 € pro privaten Ladepunkt bezuschusst werden, erneut aufgelegt wird, entscheidet die neue Bundesregierung. „Es ist schon ein herrliches Gefühl, mit dem selbsterzeugten Solarstrom das Elektroauto zu betanken und unabhängig von fossilen Brennstoffen zu sein“, freuen sich bereits mehrere Tettenwanger mit ihren E-Fahrzeugen. Der bei Sonnenschein erzeugte Solarstrom wird mittels einer Wallbox in das E-Auto geladen. Kleiner Wermutstropfen: die Nachfrage bei den Ladestationen ist groß, sodass längere Wartezeiten die Regel sind. -hhe-

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Termine im Dorf:

Aufgrund der Corona-Pandemie keine Veranstaltungen!

Müllabfuhr 2021.pdf
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