"Hopfen und Malz"

„Hopfen & Malz – Gott erhalt´s“ – diesen Spruch kennen nahezu alle, die in Bayern wohnen und leben. Bei diesen beiden Wörtern handelt es sich um Zutaten, ohne die sich kein Bier brauen lässt. Bier schmeckt bitter – und für dieses typische Aroma ist der „Hopfen“ verantwortlich. Eines der wichtigsten Anbaugebiete für Hopfen ist die „Hallertau“ mit etwa 2400 Quadratkilometer Größe. Knapp zwei Dutzend verschiedene Hopfensorten werden ab Mai jeden Jahres angeleitet und wachsen an Leitdrähten etwa sieben Meter in die Höhe. Für einen Hektoliter Bier (= 100 Liter) werden in der Regel durchschnittlich 100 Gramm Hopfen benötigt. Die Erntemenge einer Hopfenpflanze reicht aus, um etwa 400 Liter Bier, gebraut nach dem Reinheitsgebot, herzustellen.

 

 

"Ohne Hopfen gibts koa Bier"

Hopfenernte 2020 beginnt Ende August/Gute Ernte

Seit Jahrhunderten wird die bayerischste aller Pflanzen angebaut und kultiviert: bis heute prägt das „grüne Gold“ – wie der Hopfen gern genannt wird – das Landschaftsbild sowie die Identität und Kultur seiner Bewohner. Mit 886 Hopfenanbauern ist die Hallertau Stand Ende 2019 mit einer Gesamtfläche von rund 17.000 Hektar das weltweit größte Hopfenanbaugebiet. Durchschnittlich 19,2 Hektar bewirtschaftet ein Hopfenbetrieb in der Hallertau, welches zentral zwischen München, Ingolstadt, Regensburg und Landshut im Herzen des Freistaats Bayerns liegt. 41.500 Tonnen Hopfen wurden 2019 gewonnen – dieses Jahr gedeihen die Hopfendolden noch prächtiger. Ende August heißt es dann wieder: „Auf geht’s zum Hopfazupfa“.

Immer beliebter wird die künstliche Bewässerung in den Hopfenanlagen

Dürres Frühjahr – Covid-19 – ersehnter Regen

„Mit dem Wetter können wir heuer zufrieden sein“, freut sich der Tettenwanger Hopfenanbauer Martin Treffer. Bis auf eine längere Trockenphase im Frühjahr haben die Pflanzen ab Juni den benötigten Regen bekommen – und der Regen in den letzten Tagen wahr Gold wert. Auch wenn es heuer große Unterschiede je nach Boden und Sortenauswahl gäbe, erwarten die Hopfenanbauer insgesamt ein gut durchschnittliches Jahr. Relativ mild zeigte sich der vergangene Winter, sodass das Aufhängen der Rankdrähte im März gut von der Hand ging. Mit dem Ausbruch des Coronavirus zogen dunkle Wolken über die Hopfengärten. Die verordneten Hygienemaßnahmen brachten höchste Engpässe bei den ausländischen Saisonarbeitern, welche wegen der Auflagen nur spärlich nach Deutschland kommen und arbeiten durften. Weltweit beherrscht dieses unscheinbare Virus mittlerweile alle Kontinente und Länder mit knapp 20 Millionen Infizierten und mehr als 700.000 Toten. Kein Wunder, dass durch den Ausfall der ostdeutschen Erntehelfer die Hopfenanbauer im Frühjahr große Sorgenfalten hatten und mit allen Alternativen die Situation entschärfen mussten. „Das war für viele von uns schon ein Nervenkrieg, aber relativ glimpflich lief es für uns, da wir mit Hilfe der Internetplattform „Das Land hilft“ und durch Kontakte zur TU Weihenstephan gute Kontakte hatten und nicht auf ausländische Saisonhelfer angewiesen waren“, so der 56jährige. So konnte das Drahtstecken im März mit Studenten und Frauen aus dem Dorf bewältigt werden. „Natürlich helfen wir Hopfenanbauer uns auch untereinander mit Helfern aus“, ergänzt Treffer. Durch den maschinellen Einsatz der Erntemaschinen werden für das vier bis fünfwöchige „Hopfazupfa“ im September deutlich weniger Erntehelfer benötigt. Sechs Hopfenpflanzer bauen gegenwärtig in Tettenwang auf 75 Hektar Hopfen an: Werner Eser, Michael Forster Franz Pöppel, Heinrich Schmailzl, Stefan Schmailzl und Martin Treffer. Größtenteils erwarten die Hopfenanbauer durch die Corona-Pandemie keine nachhaltig negativen Effekte für die Landwirtschaft in der Region. „Aufgrund der aktuell zu erwartenden guten Produktionsergebnissen gehen wir davon aus, dass sich der Preis des Freihopfen deutlich gegenüber den letzten Jahren nach unten anpassen werde“, verrät Treffer.

Mit geschultem Auge begutachtet der 56jährige Martin Treffer die Hopfendolden

Hoch hinaus auf sieben Meter– Wachstum in Rekordzeit

Mit Kartoffeln, Getreide und Mais haben die Landwirte regelmäßig auf den Feldern zu tun. Der Hopfenanbau ist noch ein Stück intensiver, denn es heißt nicht umsonst: „Der Hopfen will täglich seinen Herrn sehen“. Etwa 75.000 Hopfenstöcke versorgt ein Durchschnittsbetrieb in der Hallertau auf einer Fläche von knapp 20 Hektar. Los geht’s im Frühjahr mit dem Abschneiden der Triebe – eine sehr wichtige Arbeit, die nicht zu tief vorgenommen werden darf, damit die Anzahl der Triebe reichhaltig ist. Dieser Arbeitsschritt ist Chefsache des Hopfenpflanzers. „Ein zu tiefer Schnitt kann den Wurzelballen dauerhaft zerstören und dann wächst nichts mehr“, verraten die Hopfenpflanzer. Dann werden die Rankdrähte in aufwendiger Handarbeit in rund sieben bis acht Meter Höhe an einem Querdraht befestigt und anschließend mit einem sogenannten Stupfeisen im Boden verankert. Die Befestigung des Drahtes hoch oben auf der am Traktor angebrachten Hopfenkanzel erfordert viel Geschick, Flexibilität und Ausdauer. Je nach Witterung– meist ab Mai – startet die wohl intensivste Arbeit mit dem Anleiten der neuen Hopfentriebe. Dabei werden viele Helferinnen und Helfer benötigt, denn hier ist ausschließlich Handarbeit gefordert. „Von den reichlich aus dem Boden sprießenden Triebe werden je drei von ihnen im Uhrzeigersinn um den Draht gewickelt – ein Muss, denn sonst wächst der Hopfen nicht hoch“, betont Treffer.

Die Vorbereitungen für die Hopfenernte 2020 laufen – u.a. wird die Hopfenpflückmaschine gewartet

Hochbetrieb herrschte im Wonnemonat Mai in den Hopfengärten der Region. Je nach Regen und Sonnenschein schießen die Reben rasant in die Höhe und legen bis zu 30 Zentimeter pro Tag zu. Neben einigen Bambusarten ist der Hopfen eine der schnellst wachsenden Pflanze der Welt – und er hat außerdem ein ausgesprochen gutes Timing. Bis zum „Johannistag“ erreicht die Pflanze in der Regel die Spitze des Drahtes und hat damit ihr erstes großes Ziel erreicht. Das ist kein Zufall, denn ab diesem Datum werden die Tage wieder kürzer – für die Pflanze das Zeichen mit der Fortpflanzung zu beginnen. Während der Führung durch den Hopfengarten scherzt Martin: „Es ist wie bei uns Menschen: erst das wächst der Hopfen in die Länge, danach geht’s nur noch in die Breite“. Aktuell stehen die Bestände – Dank des spürbaren Regens – sehr gut.

Hervorragende Qualität - und Quantität steht dieses Jahr in den Hopfengärten der Hallertau

Neue Flavor-Hopfensorten auf dem Vormarsch

Ab Mitte Juli beginnt die Blühte und Bildung der Dolden – da tut sich dann was auf den Feldern, denn die Reihen werden Tag für Tag voller. Eine weitere Besonderheit, die den Hopfen auszeichnet, ist der schnelle Ertrag. Bereits im zweiten Jahr nach der Anpflanzung bringen die Reben schon gute Erträge. Von jeher ist die Sortenwahl eine entscheidende Größe eines Hopfenanbaubetriebes. In drei Kategorien eingeteilt stehen Aromahopfen, Bitterhopfen und seit einigen Jahren die Flavor-Hopfen zur Auswahl. Den Löwenanteil mit gut 9000 Hektar (53%) decken die Aromahopfen ab, davon 2700 Hektar mit „Perle“, 2.600 Hektar der „Hallertauer Tradition“ sowie 900 Hektar „Hersbrucker“. Zu den bekanntesten Bitterhopfen zählen „Herkules“ mit über 6100 ha, Magnum mit 1300 ha sowie Taurus und Polaris mit je 200 Hektar Anbaufläche. Beliebter werden seit Jahren die Flavor-Hopfen „Mandarin Bavaria“ (300 ha), Hallertauer Blanc (150 ha) sowie Melon, Callista und Ariana. 

Nur amtlich zugelassene Pflanzenschutzmittel sind bei der Schädlingsbekämpfung im Einsatz

Schädlingsbekämpfung 2020 im grünen Bereich

„Aus Sicht der Hopfenschädlinge hatten wir schon schlimmere Jahre als heuer – aber wir müssen dennoch auf der Hut sein“, meint Martin Treffer. Die wohl anfälligste Hopfenkrankheit ist die Peronospora – auch als falscher Mehltau bekannt. Diese Pilzkrankheit tritt jedes Jahr in unterschiedlicher Stärke auf, der Blüten- und Doldenbefall kann zu vollständigem Ertragsverlust führen. Die Primärinfektion geht vom Wurzelstock aus. Die Sekundärinfektionen erfolgen durch Zoosporangien, die mit dem Wind verbreitet werden und an Blätter, Blüten und Dolden gelangen. „In etwa sechs Spritzungen pro Vegetationsperiode schützen wir mit den zugelassenen Pflanzenschutzmitteln die grünen Reben vor Schädlingen“, erklärt der engagierte Landwirt. Vom Peronospora-Warndienst der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Wolnzach erhalten die Landwirte Spritzaufrufe. Nicht weniger schädlich sind der „echte Mehltau“ und die „Rote Spinne“, welche bei Nichtbehandlung zum Welken und Absterben der Hopfenreben führen kann. Schließlich spritzen die Hopfenbauern bei Befall der Bestände gegen Blattläuse. Meist erfolgt die Arbeit in den Abendstunden, deshalb sind die Spritzmaschinen in den Hopfenfeldern unüberhörbar.

Es ist eine Augenweide durch die frischen Hopfenreben zu marschieren - 2020 wird eine GUTE Ernte mit viel Ertrag. Immer angespannt sind die Hopfenanbauer wegen der heißen Sommertag und den zu erwartenden Gewitter

Im August geht´s los mit der Hopfenernte

„In meiner Kindheit gings nach dem Fest des Bartholomäus mit dem Hopfazupfa los“, erinnert sich der 56jährige. Aufgrund der neuen Hopfensorten und neuer Schädlingsbekämpfungsmittel hat sich der Erntebeginn auf Anfang September verschoben. „Voraussichtlich am 31.August beginnen wir mit der Sorte „Hallertauer Mittelfrüh“, dann sollen die ätherischen Öle am gehaltvollsten sein“, so der Landwirt. Danach folgen die „Hallertauer Tradition“, die „Perle“ und „Hersbrucker“. Je nach Stockanzahl und Feldgröße sowie technischen Gegebenheiten pflücken die Hopfenbauern in der Regel bis Ende September. In den Dörfern riecht es dann wieder nach Hopfen und auf den Höfen herrscht Hochbetrieb. Da die meisten Arbeitsschritte heutzutage ziemlich automatisiert sind, werden deutlich weniger Arbeitskräfte benötigt. Mechanisch wird mit dem Reißgerät die Hopfenranke rund einen halben Meter über dem Boden abgeschnitten, automatisch heruntergerissen und landet anschließend auf den Anhänger. Nach ungefähr einer Viertelstunde ist der Anhänger voll und wird zur Pflückmaschine gefahren. Per Handarbeit werden je Fuhre rund 150 Reben in die Hopfenpflückmaschine eingespannt, welche die Dolden anschließend in rund 99-prozentiger Reinheit vom Rest der Pflanze und dem Draht trennt. Anschließend werden die Dolden im Ofen bei 60 bis 65 Grad Celsius gedarrt und damit die Feuchtigkeit der Dolden idealerweise auf 10 Prozent verringert. „Die Kontrolle der getrockneten Dolden ist wieder Chefsache, denn da ist Erfahrung gefragt“, erzählt Treffer. Mit ein paar gekonnten Handgriffen erkennt der Hopfenbauer, ob die Feuchtigkeit passt und die Dolden anschließend für einige Stunden belüftet werden, damit sich die Restfeuchtigkeit der Stängel entweichen kann. Mussten früher die von Hand eingetretenen großen Hopfensäcke in die Siegelhalle gefahren werden, geschieht das Pressen und Verpacken direkt am Hof. „Von jeder Partie, die zwischen zehn und 100 Ballen in der Größe 60x60x120 Zentimeter beinhaltet, werden Proben gezogen und im Labor auf alle Bestandteile untersucht. „Kein Lebensmittel wird so streng kontrolliert, als der Hopfen“ – so Treffer.

Selbst über den steinernen Christus-Martel wächst der Hopfen in Laimerstadt

"Der Hopfen will täglich seinen Herrn sehen"

 

„Spricht man über Hopfen, denkt man unweigerlich an Bier“, so der Volksmund. Das „grüne Gold“, wie es bei den Hopfenanbauern schlicht heißt, hat im Frühjahr Hochsaison. „Trotz des langen und sehr kalten Winters, der heuer bis Mitte März dauerte, hat die Natur und insbesondere die Hopfenreben vom Wachstum alles aufgeholt“, so die Hopfenlandwirte. Kaum zu glauben, aber wahr: vor sechs Wochen war noch tiefster Winter – nun haben wir sommerliche Temperaturen und alles blüht in Feld und Flur. Innerhalb weniger Wochen hat die Natur alles wieder aufgeholt. Hochkonjunktur herrscht seit Tagen in den Hopfenfeldern. Die stark scheinende Sonne lässt die Hopfentriebe sprunghaft in die Höhe sprießen. Kein Wunder, dass jetzt auf dem Hopfenfeld alle Hände gebraucht werden, um die Reben um den Draht anzurichten. „Jetzt muss es schnell gehen, denn die Reben wachsen in der Woche mehr als einen Meter“, wissen erfahrene Hopfenanbauer. In der Regel zwei oder drei Reben werden um einen Draht als Kletterhilfe gelegt. Diese wachsen bis Ende Juli auf die Gerüsthöhe von etwa sieben Metern. Dabei ist wichtig, dass die Reben im Uhrzeigersinn angedreht werden. Die restlichen Wurzeln werden „ausgeputzt“, d.h. weggeschnitten. Kultiviert wächst der Hopfen bis zu 20 cm pro Tag bis zu einer Höhe von sieben Metern und mehr. Die Hopfenpflanze wächst aber nicht nur rekordverdächtig in die Höhe, sie hat auch ein starkes Wurzelwachstum. So braucht sie in erster Linie einen tiefgründigen und humusreichen Boden. Der Standort sollte möglichst sonnig sein. Genügend Wasser und Dünger sind ebenfalls wichtig. Bei jeder Verwendung ist zu beachten, dass diese Pflanzen eine Kletterhilfe benötigen und immer rechts windend wächst. Sämtliche Versuche, die Pflanzen davon abzubringen, sind gescheitert. Hopfen ist eine mehrjährige Pflanze. Doch das Blattwerk und die Stängeln wachsen jedes Jahr neu, nur die Wurzeln überwintern. Die Form der Blätter erinnert an Weinblätter, aber die Ränder sind zackiger. Hopfenpflanzen sind zweihäusig. Das heißt: Es gibt weibliche und männliche Pflanzen. Die männlichen Blüten sind kleiner und weniger zierlich als weibliche Blütenstände. Und nur die weiblichen Pflanzen bilden aus den Blüten Dolden.

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